TV vs. Streaming-Dienste: Unser verändertes Fernsehverhalten

Als wir uns Gedanken zu diesem Artikel gemacht haben, sprachen wir darüber, wie wir früher Fernsehen erlebt haben und welche Rolle es in unserem Leben spielte.

Die meisten von uns waren sich einig, dass am Wochenende – meistens samstags – der Tag war, an dem die ganze Familie einen Film anschaute. Und dass man irgendwann ganz stolz drauf war, den Film oder die Serie um 20:15 bis 21:45 oder 22:15 zu Ende sehen zu dürfen, obwohl am nächsten Tag Schule war. Man schaltete das Gerät ein und drückte sich bis zu dem Sender durch, an dem etwas lief, das man halbwegs gut fand (im Idealfall sogar liebte und sich tierische freute, dass es gerade im Programm war).

Heute hat diese Situation sich geändert. Das Fernsehen, wie man es von früher kennt, schafft sich langsam ab. Heutzutage heißt es Filme und Serien auf Knopfdruck schauen, wann immer man gerade Lust dazu hat. Netflix und Amazon machen es möglich. Dass man sich noch bewusst vor den Fernseher setzt und einen Film schaut, bei dem eh alle 15 Minuten ein 10-minütiger Werbeblock geschaltet wird, passiert immer seltener.

Heute gibt es Bingewatching, bei dem ganze Serienstaffeln am Stück geguckt werden – ganz einfach, weil es möglich ist. Aber nicht nur die Bequemlichkeit ist ein Punkt, der eine große Rolle spielt, sondern auch die gebotene Qualität. Wer heute reguläres Fernsehen einschaltet, findet meistens entweder schlecht gespielte „Real Life“-Dokus, die billig produziert sind, die 180ste Wiederholung einer Comedyserie, aufgewärmte Serien früherer Jahrzehnte oder Serien für die ältere Altersgruppe. Junge Leute finden im heutigen Fernsehprogramm kaum noch Angebote für sich. Und läuft doch mal eine gute Serie, die es in den USA schon geschafft hat, dann läuft sie Jahre nach der eigentlichen Original-Ausstrahlung, manchmal versteckt im Nachtprogramm, oder einmalig, weil sie nach der ersten Folge bereits wieder abgesetzt wurde.

Bei Netflix geht es zum Beispiel nicht ausschließlich um Einschaltquoten. Klar, könnte man behaupten, ist Abo-Streaming etwas Anderes, aber dennoch haben wir das Gefühl, dass man sich hier mehr traut und hochwertigere Inhalte produziert. Da fragt man sich ab und zu, warum die öffentlich-rechtlichen Sender sich so schwertun, da diese ebenfalls nicht auf Quoten angewiesen wären, aber dennoch kaum originelle und wenig innovative Inhalte zeigen.

Streaming-Dienste bieten auch den Vorteil, dass Serien meistens vollständig staffelweise erhältlich sind. Man muss sich nicht mehr nach dem TV-Programm richten, sondern die Serie richtet sich nach uns. Wenn wir Lust haben, schalten wir ein – egal, welche Zeit oder welcher Tag es ist. Diese Möglichkeit passt perfekt zur heutigen Lebensweise, die oft viel Flexibilität verlangt. Die Streaming-Dienste sind vor allem an der Lebenswirklichkeit von jungen Menschen näher dran als das heutige reguläre Fernsehen. Es ist wirklich ironisch, dass es derzeit so viele fantastische Serien wie nie gibt, diese aber kaum im TV laufen, sondern größtenteils bei Video-on-Demand-Anbietern.

Wohin das Fernsehen steuert und wie es mit den Streaming-Diensten weitergeht, kann man noch nicht wissen, aber es gibt richtungsweisende Entwicklungen, die jeder TV-Produzent ernstnehmen sollte. Die Gesellschaft hat sich stark verändert, doch das Fernsehen hat diesen Trend noch nicht ganz erkannt und muss sich bald etwas einfallen lassen, um junge Zuschauer binden zu können. Und dabei helfen wohl kaum Comedy-Wiederholungen oder Seifenopern.

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